Die Rohstoffe Boliviens, die seit über 500 Jahren ausgebeutet und meist ohne Weiterverarbeitung exportiert werden, haben kaum zu Wohlstand und Gerechtigkeit in diesem lateinamerikanischen Land beigetragen. Seit 2006 nutzt eine „linke“ Regierung unter Evo Morales die Ausbeutung der Rohstoffe, um Armut zu bekämpfen, vor allem aber, um politische Legitimität zu erzeugen und ihre Macht für weitere Jahre zu sichern. Dabei werden jedoch ökologische Aspekte vernachlässigt. Auch aus ökonomischer Sicht dürfte eine so starke Ausrichtung auf die Extraktion von nicht erneuerbaren Ressourcen kaum erfolgreich sein. Zumindest müssten die Einnahmen stärker für Zukunftsinvestitionen in den Bereichen Bildung und Infrastruktur sowie den Ausbau einer weiterverarbeitenden Industrie verwendet werden.
Dieses Buch ist aus einem interdisziplinären und internationalen Seminar von bolivianischen und deutschen Studierenden in La Paz hervorgegangen. Beleuchtet werden die sozialen, politischen, ökologischen und kulturellen Aspekte der Rohstoffausbeutung. Zugleich werden sozialethische Kriterien erläutert, aus deren Sicht die Strategie des Neo-Extraktivismus ethisch beurteilt werden kann. Am Ende geben die Herausgeber Empfehlungen für eine andere, stärker ökologisch und sozial ausgerichtete, „nachhaltige“ Politik der Rohstoffausbeutung.
Inhaltsverzeichnis
Vorworte
S. 11–14
Einführung
Gerhard Kruip / Raphael Zikesch
Neo-Extraktivismus und Sozialethik – Ethische Instrumente zur Bewertung und eine kurze Einführung in diesen Band
S. 15–30
Rodrigo Corzo García
Die Hintergründe des Neo-Extraktivismus in Lateinamerika
S. 31–56
Héctor Córdova
Kurze Geschichte des Bergbaus in Bolivien
S. 57–80
Christopher Rohles
Der Extraktivismus als Entwicklungsmodell? Die wirtschaftlichen Probleme des Neo-Extraktivismus
S. 81–98
Bolivien – Ein Rentier-Staat? Die ökonomische Bedeutung des Neo-Extraktivismus
Raphael Zikesch
Die Generierung und Entwicklung der staatlichen Ölrente Boliviens zwischen 2006 und 2016
S. 99–109
Magalí Condori Salas
Boliviens Minensektor zwischen 2006 und 2015
S. 110–124
Ökologische Probleme des Neo-Extraktivismus
Elisabeth Wagener
Lithium in Bolivien: Ökologische Probleme und Nachhaltigkeit
S. 125–144
Héctor Córdova
Der Abbau von Gold und anderen Schwermetallen
S. 145–156
Soziale und politische Probleme des Neo-Extraktivismus
Sarah Christ
Im Untergrund. Die Kinder und Jugendlichen in den Minen von Potosí
S. 157–170
Benjamín Miguel Gutiérrez Herbas
Die sozialen und politischen Auswirkungen der Bergbaukooperativen in Bolivien
S. 171–188
Christopher Rohles / Raphael Zikesch
Die Stabilität des Rentier State Bolivien. Wie stabil ist das politische Regime Boliviens vor dem Hintergrund der Einnahmen aus dem Rohstoffsektor?
S. 189–220
Neo-Extraktivismus und Andine Kosmovision
Augusto Díaz
Der mythische Zyklus des Extraktivismus in Bolivien
S. 221–236
Edith Wittenbrink
Die Verehrung des Tío in den Minen
S. 237–257
Dietmar Müßig
Extraktivismus, Anthropozentrismus und Rechte für die Erde. Papst Franziskus und das Vivir Bien
S. 258–288
Auf dem Weg zur Überwindung des Neo-Extraktivismus
Ana Lucía Mamani Espinal
Menschenrechte und Mutter Erde im Schatten des Neo-Extraktivismus in Bolivien
S. 289–304
Silvia Bodemer
Menschenrechte als Instrument im sozialen Kampf gegen den Extraktivismus
S. 305–324
Gerhard Kruip / Dietmar Müßig / Raphael Zikesch
Empfehlungen
S. 325–330
Die Autorinnen und Autoren
S. 331–333