Mäandernd verzweigt

Advena-Regnery, Barbara
Mäandernd verzweigt
 
Umfang
230 Seiten
Einband
gebunden
Bestell-Nr
25254
ISBN
978-3-402-25254-3
Preis
0,00
Eine Frau verliert ihren Mann. Sie hatte ihn geliebt und er sie. Die Welt, die ihr trauernd begegnet, scheint ihr wie zarte Verästelungen eines mächtigen Baumes, wie ein Mosaik aus unzähligen Flussarmen, dessen Ganzes mäandernd verzweigt zu erahnen, nicht aber zu sehen ist. Ein Davor und ein Danach hatte es in dieser steten Bewegung gegeben, aber im Fluss und im Wachstum war diese Welt immer schon da; verwurzelt, gewachsen, abgerissen, umspült und weitergesponnen.
Satz für Satz bemüht sie sich einzutauchen in diesen Fluss der Verästelungen und abzulagern, was nicht mehr nötig war, um verändert über Segmente weiterfließen zu können. Das Wort war es, was ihr half; was da war, um gelesen und geschrieben zu werden. Schreibend Sagbares auszuloten, es von dem Anderen, dem Unsagbaren zu trennen. Wie ein Sonntag, der herausstach aus dem mühsamen Einerlei, der Raum für das Urteil gab, das widerhallte in allen Tagen ihrer Woche und den mächtigen Baum zu erkennen gab, dessen erdiger Grund so verborgen blieb, wie die lichte Höhe seiner Krone und ihr doch ganz realen Schatten zu geben vermochte. Der Plural aller tönte da – unterschieden von dem unsagbaren Singular, den es auch gab, den es geben mussten, dessen Resonanzraum die Grenzen ihres Leibes nicht durchbrach, nur ihr Äußeres vibrieren ließ, erkennbar für den, der ihr ganz nahe stand - der aber - wie ein kleiner, nur ihr gehörender Schatz, zu hüten war.

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