Im Zentrum dieser Studie steht die Kriegserfahrung 70 junger Männer, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Mainzer Priesterseminar lebten und studierten. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs wurden sie als geistliche Krankenwärter oder gewöhnliche Soldaten zum Militärdienst einberufen. In fast 500 Briefen teilten sie Dr. Joseph Blasius Becker, dem Regens des Seminars, ihre Erlebnisse und Deutungen des Krieges mit. Ihre Wahrnehmung wurde durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst. Zu nennen sind insbesondere die theologisch-aszetische Ausbildung im Mainzer Priesterseminar sowie die kriegstheologischen Verlautbarungen der kirchlichen Amtsträger. Die Arbeit geht der Frage nach, inwieweit diese Prägungen das individuelle Erleben und Deuten des Krieges beeinflusst haben. Sie dokumentiert des Weiteren die Bemühungen der Seminarleitung, den Militärdienst der Alumnen seelsorgerisch zu begleiten, um so die Verbindung zwischen einberufenen Alumnen und heimatlichem Seminar auch während der Zeit des Krieges aufrechterhalten zu können.
Über den Autor
Maximilian Künster wurde 1994 in Koblenz geboren und studierte von 2013–2021 katholische Theologie, Bildungswissenschaften sowie Schul- und Kirchenmusik an der JGU Mainz. Seit 2019 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der JGU.