Als die Bundesrepublik Deutschland am 20. Dezember 1955 das Anwerbeabkommen mit der Türkei unterzeichnete, war Migration kein zentraler Aspekt. „Gastarbeiter“ sollten kommen, arbeiten und wieder in ihr Heimatland zurückkehren. Doch aus dem befristeten Arbeitsaufenthalt wurde für Hunderttausende der Aufbruch in eine neue Heimat. Dieser interdisziplinäre Band fokussiert auf die Geschichte(n) von Menschen, die im Schatten des Wirtschaftswunders nach Deutschland beziehungsweise in die Niederlande kamen. Er thematisiert zum einen aus wissenschaftlicher Perspektive u.a. die Ölkrise und den Anwerbestopp, politischen Debatten, aber auch Familienzusammenführung und Integrationsfragen. Die Beiträge aus Deutschland und den Niederlanden verbinden historische, gesellschaftliche sowie sprach- und literaturwissenschaftliche Perspektiven. Zum anderen enthält der Band Geschichten von Gastarbeitern und Gastarbeiterinnen der ersten Generation, die auf Interviews beruhen, sowie deren literarische Umsetzung des Autors Feridun Zaimoglu.
Dieser Band beleuchtet so sehr individuell und persönlich ein Kapitel europäischer Geschichte, das bis heute nachwirkt, aus verschiedenen Perspektiven.