Die Lehre von der Sophia, der Weisheit in Gott, spricht vom göttlichen Prinzip in der Schöpfung, das die Gottebenbildlichkeit des Menschen und die Inkarnation Christi ermöglicht. Sie bildet die Mitte im Denken des russischen orthodoxen Theologen und Priesters Sergij Bulgakov (1871–1944). Das vorliegende Werk erschien 1937 in englischer Sprache und wurde 2024 auf Deutsch veröffentlich. Bulgakovs Werk liegt nun auch in russischer Sprache erstmals textkritisch ediert und wissenschaftlich kommentiert vor.
Bulgakovs theologischer Ansatz gründet im Christusbekenntnis des Konzils von Chalcedon (451) und weitet die Lehre von der Gottmenschheit, d. h. der Einigung von göttlicher und menschlicher Natur in Jesus dem Christus, auf das Ziel der Einigung zwischen Schöpfer und Schöpfung aus. Darin sieht der Autor zugleich den ökumenischen Schlüssel zur Wiederherstellung der christlichen Einheit.