Das Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli Leipzig wurde 2017 als hybrider Raum eröffnet. Er ist zugleich festlicher Veranstaltungssaal der Universität, Universitätskirche, Ort der Ausstellung der traditionellen Kirchenausstattung durch die Kustodie sowie Konzertraum der Universitätsmusik und wurde dezidiert für diese vielfältigen Praktiken und Raumlesbarkeiten geplant und entworfen. Welche Erkenntnisse lassen sich aufgrund der bisherigen Nutzung für die Suche nach Sakralräumen im Wechselspiel zwischen Kirche und anderen gesellschaftlichen Bereichen gewinnen?
Die Beiträge dieses Buches ziehen eine erste Bilanz zu Synergien und Spannungsfeldern, wechselseitigen Zusammenklängen und Durchsichten in der Nutzung, erhellen das Paulinum als Ort des kulturellen Gedächtnisses und als potentielle Citykirche, blicken zurück auf historische Hybridität im Raum und eröffnen vergleichende Perspektiven auf religiöse Räume an Universitäten, Kirchenwiederaufbauprojekte im ostdeutschen Raum, Museen in Kirchen, Universitätskirchen an anderen Orten und die Raumtrennungen, die in Kirchenräume eingezogen werden. Damit leistet der Band insgesamt einen Beitrag zur Erkundung der Potentiale von Sakralraumtransformation in Kooperation von religiösen und säkularen Akteuren.
Der Band verbindet interdisziplinäre Perspektiven aus der Evangelischen und Katholischen Theologie, der Geschichte und Kunstgeschichte, der Soziologie und Ethnologie sowie der Religionswissenschaft mit Einblicken in Nutzungserfahrungen mit dem Paulinum.
Über den Autor
Dr. Kerstin Menzel ist Lektorin für Praktische Theologie an der an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Sie studierte Evangelische Theologie in Marburg, New York, Leipzig und Berlin und wurde 2017 mit einer Arbeit zum Pfarrberuf in ausgedehnten Verantwortungsbereichen in ostdeutschen ländlichen Räumen in Marburg promoviert. Nach Vikariat und einer Zeit als landeskirchliche wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt Universität zu Berlin war sie seit 2020 wissenschaftliche Assistentin am Institut für Praktische Theologie der Universität Leipzig. 2024–2025 vertrat sie den Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Kirchentheorie, Pastoraltheologie sowie der Liturgiewissenschaft, wobei Räume dabei jeweils eine wichtige Fokussierung bilden.
Prof. Dr. Alexander Deeg lehrt seit 2011 Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig mit den Schwerpunkten Liturgik und Homiletik. Nach Studien der Evangelischen Theologie und Judaistik in Erlangen und Jerusalem und einem Vikariat in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, war er Assistent für Praktische Theologie in Erlangen und anschließend Leiter des neu gegründeten „Zentrums für Evangelische Predigtkultur“ in Wittenberg. Er wurde mit einer Arbeit zur Predigt im jüdisch-christlichen Dialog promoviert und habilitierte sich mit einem Beitrag zur evangelischen Fundamentalliturgik.