Das evangelische Kinderheim und Waisenhaus in Iserlohn wurde 1776 eröffnet und feiert 2026 sein 250-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass hat der Autor eine historisch-literarische Chronik über die Entwicklung des Hauses geschrieben. Sie ist eingebettet in die Sozialgeschichte der Stadt, des Landes und der Diakonie. Der Fokus liegt weniger auf Kirche und Pastören als auf den Kindern und ihren Familien. Die leitende Frage lautete, was über Iserlohner Waisenkinder in Erfahrung zu bringen war, was Archivalien und historische Untersuchungen berichten. In seiner populärwissenschaftlichen, erzählenden Darstellung kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass „Waisenkinder" meist Eltern hatten, aber ins Waisenhaus kamen, weil ihre Familien arm waren, weil die Mütter alleinerziehend waren, weil ein Elternteil krank wurde. Ihre Arbeitskraft wurde in Haus und Landwirtschaft intensiv genutzt. In Krisen und Kriegen nahm ihre Zahl im Haus ab, obwohl die Zahl der hilfsbedürftigen Kinder stieg. Da der Autor als Kind von „Hauseltern“ im Iserlohner Waisenhaus aufwuchs, sieht er solche Einrichtungen der Diakonie als Orte der Kindheit. Sie versprechen Hilfe und Unterstützung, wenn Kindern die Familie verloren geht. Viele Heime in Deutschland sind aber durch Gewalt und Skandale ins Rampenlicht geraten. Daher schaut der Autor genau hin, was im Iserlohner Waisenhaus geschehen ist, und stellt unbequeme Fragen.
Über den Autor
Theo Stiller, geboren in Iserlohn, Umzug nach Bielefeld 1965/66, 1979 Lehrkraft an Grund- und Hauptschulen, nach der Geburt des Sohns Hausmann, später Lehrer an Fach- und Förderschulen, 2001 sonderpäd. Examen, seit 2009 Dozent für Lehrerbildung an der Universität Bielefeld, 2020 Promotion zur "Elternarbeit"
Pressestimmen
"Theo Stiller ist es gut gelungen, die 'kleine Geschichte' des
Waisenhauses in die allgemeine Geschichte, vor allem die
Sozialgeschichte, einzubinden und zu kommentieren. Für den Leser
interessant und sicher auch motivierend sind persönliche und familiäre
Erfahrungen, die er einfügt. Für die Iserlohner Leser ist sicher vieles
neu, was die Sozialgeschichte der Stadt betrifft, wenn es auch nicht in
das Bild vom 'lieben alten Iserlohn' passt. Stillers erkenntnisleitendes
Interesse ist, wie er schreibt, in den unterschiedlichen Altersphasen
sicher unterschiedlich, er kommt aber am Ende doch zu einer wenn auch
engagierten, so doch objektiven Sichtweise. Ich wünsche dem Buch viel
Erfolg! (Arno Herzig, Prof.i.R.Universität Hamburg)