Studien zum Mittelalter und zu seiner Rezeptionsgeschichte. Im Auftrag des Hugo von Sankt-Viktor-Instituts Frankfurt am Main, herausgegeben von Rainer BERNDT SJ

Die Reihe nimmt rezeptionsgeschichtliche Arbeiten auf: Das sind einerseits Untersuchungen, welche mediävistische Themen grundsätzlich kontextuell verankern. Andererseits sind ebenso Titel willkommen, welche dazu beitragen, die neuzeitliche Rezeption des Mittelalters freizulegen. Den Blickwinkel bietet dabei jeweils Jesus Sirach 1,1 an: "Omnis sapientia a Deo Domino est et cum illo fuit semper et est ante aevum".
Heimkindern wurden in den Nachkriegsjahrzehnten Medikamente nicht allein aus therapeutischen Gründen verabreicht. In vielen Einrichtungen wurden neue Arzneimittel an Heimkindern getestet, zum Teil unter Inkaufnahme erheblicher Nebenwirkungen. Zudem setzten Ärzte und Erzieher Medikamente als Disziplinierungsmittel ein.
Der Historiker Uwe Kaminsky und die Ethikerin Katharina Klöcker beleuchten am Beispiel des Franz Sales Hauses in Essen die lange Zeit verschwiegenen Formen des Medikamentenmissbrauchs in der Heimerziehung der 1950er und 1960er-Jahre. Aktenrecherchen und Zeitzeugeninterviews vermitteln ein umfassendes Bild verschiedener Formen des Medikamenteneinsatzes.
Auf der Grundlage der historischen Rekonstruktion wird in diesem Buch erstmals eine ausführliche ethische Bewertung der Medikamentengaben im Heimkontext unter Berücksichtigung des zeitgeschichtlichen Kontextes vorgenommen. Dabei erweist sich die gleichzeitige Berücksichtigung von sozial-, institutionen- und individualethischen Dimensionen als zielführend. Das Autorenteam will mit der vorliegenden Studie einen Beitrag zur Anerkennung des Leids der ehemaligen Heimbewohner leisten und zugleich das Bewusstsein für mögliche Formen des Medikamentenmissbrauchs auch in der Gegenwart schärfen.
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